Die vierunddreißigste Ausstellung: N.K.Mip


N.K.Mip in der Galerie AUF

Das Mecklenburgische Künstlerhaus SCHLOSS PLÜSCHOW bietet in einer Anzeige „Rent a studio“ Ateliers an, in denen Künstler/innen arbeiten und wohnen können. In der Abgeschiedenheit ist so die volle Konzentration auf die eigene künstlerische Arbeit möglich. N.K.Mip hat diese Möglichkeit im Frühjahr 2014 genutzt und stellt heute einige Ergebnisse aus dieser Phase vor.
Einmal, unter dem Titel „Guten Morgen! Ich begrüße mich“ und zum anderen „TvE“.
Die Bilder zu „Guten Morgen! Ich begrüße mich“ ist die konsequente Weiterführung bzw. Erweiterung der Malerei aus der Ausstellung -hier in diesen Räumen- „AB und AUF“, die den Untertitel „Warum Künstler, nicht Banker?“ hatte und sich überwiegend mit nicht gegenständlicher Malerei und visualisierten Textbausteinen, beschäftigte. Mal kritisch, mal ironisch, meist inspirierend. Auch heute sehen wir kalligrafische Fragmente zwischen Farb- und Formkompositionen, die oft eine doppelbödige Botschaft haben. Gestatten Sie mir, dass ich eine Arbeit herausgreife und folgenden Gedankengang mit Ihnen beginne, bevor wir das Bild betrachten.
Zitat: „Künstler lassen uns die Welt mit anderen Augen sehen. Mit ihren Werken stellen sie unsere Wahrnehmung alltäglicher Dinge und Situationen oft radikal infrage. Dabei können es einfache Kunstgriffe sein, mit denen sie neue Sichtweisen ermöglichen oder unsere Vorstellungskraft beflügeln. Dabei verlieren sie sich jedoch nicht in surrealen Innenwelten. Vielmehr nutzen sie fantastische und/oder märchenhafte Motive oder Techniken der Verfremdung, um sich mit gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen.
So auch N.K.Mip, der gute Chancen hat einem immer größer werdenden Publikum zu gefallen, weil seine Arbeiten autobiographische Elemente, kritische Wiedergabe der Wirklichkeit oder Referenzen aus Literatur, Kunstgeschichte, Philosophie oder Mythologie beinhalten. Seine überwiegend in harmonischen Farbklängen gehaltene
Malerei verbindet das Lineare mit dem Flächigen und das Figürliche mit dem Kompositionellen; verschiedene Kulturaspekte schwingen mit und lassen uns neue Sehweisen entwickeln, die die Einzigartigkeit der subjektiven Wahrnehmung bedienen. Aber, Kunst stellt auch fragen. Sie inspiriert, eröffnet innovative Modelle und ungewöhnliche Ideen auch für die Gestaltung unserer Zukunft. In den Arbeiten
„Guten Morgen, ich begrüße mich“ reicht das malerische Spektrum von Naturvorlagen über Traumbilder bis zu kompositioneller Experimentierfreude in verschiedenen Techniken und somit entziehen sich die Arbeiten einer allgemeingültigen Deutung. Will der Maler uns ins Nichts führen oder gibt er uns Hilfestellung zur Selbsterkenntnis? Will er unsere Imaginationskraft wecken oder sollen wir die schnelllebige Zeit in einem Standbild ergründen?“

Soweit das Zitat aus einem Vorspann zu einem Katalog über einen Künstler. Mit diesem Text möchte ich Ihnen -durchaus selbstkritisch- die Fülle der Worthülsen zur „KUNSTBETRACHTUNG“ etwas näher bringen. Sie sollten sich auf Ihr eigenes Urteil und Verständnis bei der Wahrnehmung von Kunst verlassen und die „Bilderklärungen“ bestenfalls als eine Anregung von vielen sehen.
Der zweite Raum ist TvE gewidmet und nimmt die klerikale Verschwendung auf Korn, wenngleich die Abbildungen eher kindlich naiv anmuten. Der Spannungsbogen von akademischer Frömmigkeit und unschuldiger Prasserei, von Ahnungslosigkeit und Repräsentationsschau wird auf weißer Wand, Rahmen los präsentiert. Lediglich eine Goldkordel begrenzt das Blattformat und knüpft an die Paramentennäherei bzw. –stickerei an, womit eine direkte Linie zu kirchlichen Textilien geschaffen wird, die unverzichtbare Würdigung des religiösen Lebens sind. Das besondere Material „GOLD“ hebt sich vom üblichen Kleidungsstück ab und gibt der Darstellung einen besonderen Glanz, eine herausgehobene Stellung. Dem Künstler gelingt es, durch einfache, augenzwinkernde Situationsdarstellung, die der Karikatur ähnlich wird, eine Pointierung zu schaffen, die keine weitere Erklärung braucht, zumal der Skandal uns allen noch im Bewusstsein ist und hohe Wellen geschlagen hat. TvE hat es die Stellung gekostet und uns wurde gezeigt, dass die Kirche in Teilen immer noch Herrschaftsansprüche verkörpern will.
Das Schloss Plüschow aus dem 18. Jahrhundert und die Bischofsresidenz in Limburg heute haben den Künstler zu einer mehrere Jahrhunderte verbindende Thematik kreativ werden lassen und zeigen uns, dass es der Kunst bedarf, um scheinbar weit auseinander liegende Lebenssituationen kennen zu lernen. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen mit den ausgestellten Werken.

Fenger, 09/14