Die neununddreißigste Ausstellung: Gordan Nikolic und Hamid Ghaffari

Nikolic/Ghaffari

Gordan Nikolic (Gott Gordan) stellt zum zweiten mal – nach 2013 – in der Galerie AUF aus und wir können eine interessante Weiterentwicklung seiner damaligen Themen „Barbieland“, „Revolverhelden“ und „Raumfresser“ beobachten. Die intensive Auseinandersetzung mit „Märchenfiguren im gesellschaftlichen Kontext“ sind auch in der neue Ausstellung zu sehen; die visualisierte Schreckensherrschaft mit übersteigerten Figuren und scheinbar harmlosen „Landschaftsbildern“ aus der Zeit von und seit 1933 werden ergänzt durch technische Verfahren, die die bemalte Leinwand vom Rahmen befreit und zu einer eigenständigen plastischen bzw. reliefartigen Figur werden lässt. Malerei auf dem Malgrund und Plastizität der verformten Leinwand ergänzen sich zu einer neuen Bildwahrnehmung, die im Raum erfasst werden will und in und aus immer neuen Blickwinkeln ihre Wirkung erfährt. Nikolic bemalt nicht eine Skulptur, er lässt das Gemalte zu einer Skulptur werden und zwingt uns zur Positionsänderung vor dem Kunstwerk, wobei der neu gesehene Ausschnitt immer andere Aufmerksamkeiten einfordert. Wir erfassen nicht auf einen Blick das Bild im Format sondern „erarbeiten“ uns die Abbildung durch unterschiedliche Perspektiven. Die so veränderte „normale“ Sicht der Dinge ist spannend und weiterführend zugleich. Mit einem ähnlichen Prinzip der „Verfremdung“ arbeitet auch der Fotograf Hamid Ghaffari von dem ich hier eine Arbeit zeigen möchte, die in der letzten Nikolic-Ausstellung in der Galerie AUF entstanden ist.

Hamid Ghaffari bildet die Wirklichkeit mit der Digitalkamera ab und lässt uns durch die Bearbeitung der fotografischen Abbildung zu neuen, verblüffenden Sehweisen kommen. Mal ist der Grad der „Manipulation“ klar erkennbar, mal rätseln wir, ob das Abgebildete die Wirklichkeit ist (vgl. die Einladungskarte) oder worin die optische Täuschung liegt. Die Digitalfotografie ist, soweit man die Kamera in der Hand hält nicht wesentlich anders zu bedienen als der alte Fotoapparat. Der Fotograf/die Fotografin wählt u.a. Motiv, Ausschnitt, Proportion, Perspektive etc. aus und „drückt ab“ und danach beginnt die computergestützte Bildbearbeitung. Bei dieser Tätigkeit sind kaum Grenzen gesetzt und somit ist die Kreativität des Künstlers gefragt. Hamid Ghaffari geht meist von einer „Abbildung der Wirklichkeit“ aus und bearbeitet diese in unzähligen Schritten zu seinem Bild, wobei nicht selten 50 und mehr andere Bilder in Ausschnitten eingearbeitet werden. In der freien schöpferisch-künstlerischen Gestaltung sprengen die Künstler unsere verinnerlichten Sehgewohnheiten und zwingen zu einer vertiefenden Hinterfragung der ausgestellten Werke.

Zu dieser Doppelausstellung möchte ich Sie sehr herzlich einladen und freue mich mit den Künstlern auf eine kontroverse Bilderschau mit intensiven Auseinandersetzungen.

Fenger