Die vierundvierzigste Ausstellung: Helga Hütten

AUFzeichnungen

Eine Ausstellung mit Arbeiten auf Papier von Helga Hütten.

Wenn wir von Aufzeichnungen reden, verbinden wir damit meist real existierendes Festhalten von Situationen, Begebenheiten oder Prozessen. In der künstlerischen Aufzeichnung von Helga Hütten begegnen wir neuen Welten, Figuren und Kompositionen, die uns zunächst fremd vorkommen, sich dann aber zu Assoziationen, Traumbildern oder scheinbar realen Formationen verwandeln. Landschaften oder Phantasiefiguren, Materialstrukturen oder figurative Frakturen, die sich bei entspannter Betrachtung zu außergewöhnlichen Sinnbildern zusammen fügen.

Die Künstlerin spricht selbst von Notizen, die „in einer bestimmten Handlung zu einer bestimmten Zeit hervorkommen und zeichnerisch festgehalten werden. Oft sollen diese Notizen für den fremden Leser unentschlüsselt bleiben, gelten als geheim und scheinbar nur für den Aufzeichner erkennbar, lesbar bzw. verständlich, eine Eselsbrücke im täglichen Alltag“.

Wollen wir als Betrachter den Code entschlüsseln, so sollten wir nicht nach „Vorbildern“ suchen, sondern unseren Sinnen vertrauen, die einmal aktiviert, zu individuellen Beziehungsgeschichten führen, die aus den konkreten oder abstrakten Gebilden, Formen und Figuren erkennen lassen. Für Helga Hütten ist die einzige wichtige Botschaft allein der ästhetische Aspekt jeder einzelnen Aufzeichnung, die sich aus dem Minimalismus von Zeit und Material ergeben.

Die Arbeiten auf Papier zeigen meist unbunte Kompositionen, die mit Tusche, Leinöl und Japanfeder gearbeitet sind. Insofern hat sich die Künstlerin von ihren früher oft stark farbigen Ausdrucksweisen entfernt und verzichtet auf diesen Papierarbeiten auch auf pastöse bis reliefartige Ausprägungen. Die plastischen Arbeiten sind auf Gipsfundamenten aufgetragene Formationen, die an Felsstücke oder Erdbrocken erinnern, aus denen Triebe ans Licht wollen, Sprösslingen hervorkommen und ohne Laub, ganz am Anfang des Werdens in die Zukunft wollen oder auch als Verfall einer vergangenen Zeit gesehen werden können.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Entdeckungsreise in geheime Welten. 
Fenger, 08/2015

Die zweiundvierzigste Ausstellung: AUF-ZU-AUF

Elisabeth Oczkowski (geb.1980 in Hünfeld/ Fulda) lebt in Rom, hat von 2001 – 2008 Kunst an der Kunstakademie Münster (Klasse Guillaume Bijl) studiert (Meisterschülerin).

Eva Glätzer (geb.1968 in Solingen) lebt in Münster, hat von 1987 – 1993 Kunst an der Folkwang Universität Essen (Klasse László Lakner) studiert. Projektprozess: Die Lichtbildreihe zeigt den mobilfonischen Dialog unserer Begegnungen, Aktionen und Interaktionen in fremden Bedürfnisanstalten, in die wir hineingelangt sind. Wir haben für den Betrachter AUFgeschlossen und damit Einblicke in sonst Verborgenes gewährt; intuitiv, aktiv und initiativ auf die Diversität des Ortes reagiert und so jeweils die dieser Verbindung innewohnende Negation des Abbildens zum Bestandteil eines oftmals klassisch komponierten Bildes gemacht…der zeitlich angelegte Dialog erfährt sein räumliches Pendant in der dialogischen Präsentation.

Rüdiger Ullenboom (geb.1965 in Xanten) lebt in Kamp-Lintfort, hat von 1988 – 1994 in Wuppertal studiert, arbeitet freischaffend als Fotograf und feiert in der Galerie AUF sein Austellungsdebüt. Die ausgewählten Arbeiten sind Bestandteil einer Serie von S-W-Fotografien zum Abgesang des Zechensterbens. Die Reize des Verfalls inspirieren Auge und Verstand, denn hier ist es mehr als die Dokumentation eines Zechensterbens. Das Hineinsehen in diese fotografische Erzählform ermöglicht das Lesen sensibler Veränderungsprozesse. Statt eines heute so oft erwarteten Explosionseffekts zeigt die morbide Ästhetik scheinbare Augenblicke eines Stillstands und eröffnet Fantasiewege / Entdeckungsreisen. Wer würde nicht gerne durch diese Ruinen streifen?

Volker Ullenboom (geb.1966 in Xanten) lebt in Essen, hat von 1988 – 1994 Kunst an der Folkwang Universität Essen (Klasse Helmut von Arz) studiert, stellt seit 1986 aus und organisiert Kunstaktionen. Neben Installation, Landart und Aktionskunst entstehen in den letzten Jahren zunehmend Holzskulpturen, deren zentrales Thema der Mensch ist. Sie variieren zwischen naturalistischen und abstrakten Anteilen. Ihre Herstellung erfolgt ausschließlich in Handarbeit, denn auf Hilfsmittel wie Kettensägen oder Schleifmaschinen wird bewusst verzichtet. So entstehen die Figuren prozesshaft im Dialog mit den Eigenarten des jeweiligen Holzstücks. Die Betonung des Fragmentarischen, die deutlich sichtbaren Arbeitsspuren und nicht ausgearbeitete Passagen, im Sinne eines scheinbaren Non-finito, werden dabei gezielt eingesetzt.