Die sechsundvierzigste Ausstellung: Ute Schätzmüller

Ich freue mich, Arbeiten der Künstlerin Ute Schätzmüller in der Galerie AUF ausstellen zu können. Der Titel der Ausstellung: o.T. Acryl AUF Leinwand, kennzeichnet die Bescheidenheit, mit der die Künstlerin auftritt, sehr gut; zurückhaltend in der Person aber dynamisch, expressiv vielleicht provozierend aber auf jeden Fall virtuos in der Kunst, so  sollte der Ausstellungstitel verstanden werden. Ohne Titel ist bei den meisten Bildern, auch von anderen Künstlerinnen und Künstlern, keine Einfallslosigkeit sondern eine Bereitschaft den Betrachter unvoreingenommen an das Werk herantreten zu lassen und zunächst keine Sichtweise vorzugeben, sondern die Freiheit zu eröffnen, das zu empfinden und zu entdecken, zu erkennen oder zu hinterfragen, zu sehen oder zu er-schließen, zu sympathisieren oder etwas entgegen zu setzen, was seinen Kopf, die Sinne, Überzeugungen oder Ansprüche, seine Sehnsüchte oder Ideale verkörpert, zulassen.

Ute Schätzmüller, eine Künstlerin auf dem Grad zwischen Zeichnung und Malerei, wo sich Linie und Farbfläche überlagern, ergänzen oder auch ihre Eigenständigkeit durchsetzen. Vielleicht ist im Schaffensprozess die Linie als zarte Vorzeichnung angelegt und wird im weiteren Verlauf, im Sinne von Farbverlauf, der meist wässrigen, lasierenden, vereinzelt auch pastös deckenden Behandlung des Malgrundes, der vielfach unbehandelt durchscheint – zu neuer Bedeutung als formale Gliederung des Formats, als Kontur von Personen und Gegenständen oder als Abgrenzung von Farbfeldern. Aber die Linie verliert nie ihre ordnende Kraft, sonst ständen wir vor überwiegend abstrakten, an die gestische Malerei erinnernde, Kompositionen mit sparsamer Farbigkeit, harmonisch und dynamisch gesetzten Auffälligkeiten in scheinbar vertrauter Umgebung. Die Grafit-Adern lassen schemenhafte konkrete und freie Formen aus dem Untergrund hervorkommen, die wir als Geschöpfe, Gegenstände oder Materialien sehen können und geben der Darstellung naturalistische Züge, die, durch die eher unbunte Farbgebung, akzentuiert werden und der Szenerie eine fast bühnenhafte Wirkung zu verleihen fähig sind.

Die Szene gewinnt an Dramatik durch das Spiel mit Helligkeiten, die nicht wie die Beleuchtung auf einer Bühne, die Akteure durch klar gerichtetes Licht erkennbar macht sondern im Diffusen lässt, weil die Verteilung von Licht und Schatten nicht den Gesetzmäßigkeiten unserer Seherfahrung folgt. Diese verblüffende Sichtweise nimmt uns gefangen, irritiert und verängstigt uns, lässt uns an das Ungewisse in der Dämmerung denken und gibt Traumbilder frei, die wie selbstverständlich der Nacht zugerechnet werden können, dabei ist es rein formal nur Farbspannung und/oder Schattenreiz. Diese Erfahrung bewegt uns und wir suchen nach den erlösenden guten Nachrichten, die uns nicht weiter im Dunklen grübeln lassen. Wir finden sie in den unschuldigen, nicht beschichteten Leinwandflächen, die versöhnliche weiche Formen zulassen; die Spannung löst sich in einer Erkenntnisgewinnung und lässt uns vielleicht sagen/denken: ist noch mal gut gegangen, war ja nicht so schlimm. Dennoch bleibt eine gewisse Befangenheit aus dem Bildinhalt und beschäftigt unser Denken und Fühlen über das Dargestellte hinaus.

Der Anstoß durch Gestik der Charaktere, Farbigkeit der Landschaft oder Körpersprache der Tiere kann uns mitnehmen in eine Welt der Fabeln, Märchen oder Mythen und beeinflusst vielleicht unser Verhalten und Handeln im Alltag. Die reale Welt vermischt sich mit irrealen Situationen, die in der Darstellung gelesen werden können und provoziert eine Positionierung zum Bild vor uns. Wir müssen im eigenem Kopf den Bildtitel, den Bildinhalt formulieren und damit ins Reine kommen um nicht alles Denkbare zu zu lassen. Auch die scheinbar romantischen Situationen in einigen Werken, die von wohlwollender Mutterliebe, liebevoller Zweisamkeit oder dem Einklang von Mensch und Natur sprechen sind auch mit dem Schleier des Bedrohlichen behaftet, weil -so sehe ich es – die uns geläufige Farbigkeit oder sollte man besser sagen Buntheit nicht vorkommt. Was auf den ersten Blick vielleicht als harmonischer Sonnenuntergang gesehen wird, kann eine schreckliche Nacht einläuten oder auch anders herum, was, wie Streit gesehen wird ist intensives, wohlwollendes Spiel; aber nichts ist willkürlich sondern Absicht voll. o.T. Acry AUF Leinwand ist die Herausforderung an unsere Sinne an Tun, Lassen und Denken.