Die einundfünfzigste Ausstellung: Irmgard Gottschlich und Harald Finke

Mein Interesse ist die Position der Frau in der Gesellschaft. Das weckt folgerichtig auch ein gewisses Interesse an untergegangenen Kulturen, speziell an beschriebenen Formen von matrizentrischen Gesellschaften. Verstreut gibt es diese Lebensformen immer noch. Märchen und Mythen mit ihrer starken Symbolkraft, sowie die sogenannten stummen Zeugen der Archäologie sind für mich Quellen inhaltlicher Aneignung. Das Denken und Handeln der damaligen Menschen fand im Einklang mit der Natur statt.

Die Rauminstallation zur Ausstellung PflanzenAuflauf wird bestimmt von umgeformten Objekten aus dem Alltag, wie Stuhl, Blumentopf, Bohnen, mit Farbstift bezeichnete Stoffservietten, Gartenerde, ein Sommerkleid, Gegenstände aus dem häuslichen und persönlichen Umfeld. Rot, weiß und schwarz sind die vorherrschenden Farben – in den alten Kulturen sind dies die Farben der 3-fachen Göttin. Sie symbolisieren den Kreislauf des Lebens WERDEN-SEIN-VERGEHEN – den Kreislauf der Natur – Frühling-Sommer- Winter. Eine Installation aus Maschendraht, roter Bandage und modellierten Wolfsfiguren thematisiert aktuell die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland. An den Wänden werden grüne Farbstift Zeichnungen mit pflanzlichen und menschlichen, teilweise Tierfiguren, im übertragenen Sinn, als Pflanzenauflauf installiert.                            Irmgard Gottschlich

Harald Finke, freischaffender, bildender Künstler: ich beschäftige mich im Moment mit kleineren booklets, die brisante Themen unserer Zeit zum Inhalt haben. Titel des ersten booklets ist „Pflanzenkunde – autobiographisch“. Es beschäftigt sich generell mit dem Pflanzenreich und seinen vom Menschen verursachten Problemen. Im Zusammenhang mit meinen persönlichen Erlebnissen entsteht hier eine Mischung aus biologischen Fakten bis hin zu den „Rheinufer Thesen“ und meinen Zeichnungen/Malereien sowie kurzen Lyriksplittern. Dieses Heft von 67 Seiten (24x21cm groß) wird als Einzelseiten ausgedruckt und Leporello ähnlich an die Wand des Ausstellungsraumes geheftet. Dazu werden Bleistifte angehängt, so dass die Besucher in die Texte oder Bilder hinein kommentieren können. Also es ergibt sich ein interaktives Angebot. Weiter werden die beiden nächsten booklets „Drachenbaum gegen Glyphosat“ und „Bienenmenschen gegen Atomenergie“ ausgestellt – mit Texten von Kathrin Otte, dem Umweltinstitut München e.V. und „Equilibrismus e.V.“. Außerdem zeige ich anhand von kleinen Videoclips „Pflanzenmusik“ und Kleinplastik – zerbrochene Steine wieder aneinandergefügt und ähnliches.

Die fünfzigste Ausstellung: Alfred Schwarzien

Die Arbeiten von Alfred Schwarzien zeigen eine geniale Vereinfachung der Darstellung, die an viele Vorbilder in der Malerei des 20. Jahrhunderts erinnern. Zwei sollten stellvertretend für andere genannt werden: Henri Matisse und Tom Wesselmann. Matisse als Meister der flächigen “Vereinfachung” von Personen und Interieur und Wesselmann, der als Pop-Art-Maler, insbesondere die weibliche Gestalt bzw. die Aktmalerei, eingebettet in Alltags- Szenen, vielfach und variationsreich, gemalt hat. A. Schwarzien beschränkt sich nicht auf einige Zitate aus der Kunstgeschichte, sondern erweitert die Idee aus der Pop-Art zu neuen Bildkompositionen, die permanent verändert und vom Betrachter selbst gestaltet werden können. Für diese Eigeninitiative braucht man keine Vorkenntnisse oder malerische Fähigkeiten; man kann die Objekte aus der Ausstellung “AUF Tuchfühlung” im wahrsten Sinne des Wortes aus textilen Formen gestalten, komponieren oder arrangieren.

Der Vliesstoff als Grundmaterial haftet aneinander und so können die Flächen immer wieder verändert werden. Unendliche Variationen sind möglich und der Betrachter übernimmt die Bildgestaltung; man ist an den  berühmten Beuys Satz erinnert und wird zum Pop-Artisten. Ein handelsüblicher Stoff (meist “Vliesdecken”) wird in Anlehnung an die Ideen der Pop Art zum Gebrauchsgegenstand für gestalterische-künstlerische Spielerei. Man kann einen “Bausatz” für ein “Tuch-Bild” zur Hand nehmen und sich sein individuelles “Kunstwerk” legen und immer wieder verändern. Dabei ist selbstverständlich die Gestaltung bzw. Ausformung der Einzelteile der eigenen Phantasie überlassen; auch Größe, Format oder Farbwahl sind persönlicher Empfindung frei gestellt. Gehen Sie auf Tuchfühlung und bereichern Sie die Ausstellung mit neuen, eigenen Kreationen.

Uje Fenger