Die 72. Ausstellung: km76

Alle Künstler/innen der Gruppe KM76 sind Meisterschüler/innen der Freien Akademie der Bildenden Künste in Essen, der fadbk, und zudem Preisträger des Essener Förderpreises, ausgeschriebenem vom Förderverein Freie Kunst (FVK) Essen e.V. Nach Abschluss des Studiums wurden die Künstler/innen von KM76 durch die Akademie (fadbk) für das 2014 neu gegründete Förderprogramm Gopea, gallery of pre-established art, vorgeschlagen und aufgenommen. Das Programm Gopea hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge Künstlerinnen und Künstler, die innovativ und auf einem hohen Niveau arbeiten, einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Dabei ist allen Gruppenmitgliedern gemein die Reduzierung auf wesentliche Ausdrucksformen, im Figürlichen wie im Abstrakten, die mit Mitteln der Malerei, Bildhauerei und Grafik Poetisches, Fragendes, aber auch Verstörendes evoziert. Das Thema der Ausstellung “Freilauf” stammt aus der Mechanik und kann verstanden werden als die Kraft, die ein Rad bis zu dem Moment antreibt, bis die Drehzahl der angetriebenen Kraft größer ist als der Antrieb selbst. An diesem Punkt löst sich die Verbindung selbständig und begibt sich in den Freilauf; der künstlerische Prozeß kann ähnlich gesehen werden. Die Galerie AUF freut sich sehr, den aussergewöhnlichen Zusammenschluss dieser Künstler/innen zu begleiten.

Karin Christoph setzt sich in ihrer Malerei mit eigenen zeichnerischen Vorlagen auseinander,  die sie in virtuoser, treffsicherer und eigenständiger Manier, auf der Suche nach dem wirkungsvollen Ausdruck, in immer neuer Bildqualität variiert. Dabei ist ihre Experimentierfreude nahezu grenzenlos und das Ergebnis für den Betrachter von großer Spannung und Aussagekraft, wobei die Gegenständlichkeit einen hohen Abstraktionsgrad erfährt. Flüchtige Strichsetzung und kompakte Flächenformen stehen in einem Spannungsfeld und werden durch neuartige Techniken und Materialien gesteigert.

René Dietle kommt von der Bildhauerei über die Architektur zu einer sparsamen, akzentuierten Formensprache, die mit den Grundformen spielt und seine zeichnerischen Qualitäten und räumliche Durchdringung in spannenden Liniengebilden offenbart. Wir erkennen durch scheinbar einfache Kombinationen das große Feld der dreidimensionalen Komposition. Diese Räumlichkeit erarbeitet der Künstler auch durch Konstruktionen in der Natur, wobei er unterschiedliche Materialien durch reduzierte Eingriffe formt, manipuliert und/oder kombiniert, dass daraus fragile Raumlinien/Raumerfahrungen entstehen, die oft hauchzarte oder fast schwebende Objekte bilden. Der Besucher durchschreiten und erlebt phantastische Konstruktion, die über die etablierte Bildhauerei weit hinaus gehen und auch die nutzbare Architektur erweitern. Leider hat die Galerie Auf kein ausreichendes Freigelände um Ihnen diese sinnliche Erlebniswelt präsentieren zu können.

Ana Gropp-Kondic zeigt einen kritischen Blick, der durch ihre Zeichnungsqualität und das Spiel von Freifläche, Kontur und Flächenfüllungen seine besondere Spannung erfährt. Oft sind ihre Grafiken von gesellschaftlichen Ereignissen dominiert und zeigen nicht nur den oberflächlichen Eindruck einer Szenerie sondern gehen zeitkritisch, sensibel und aufklärerisch mit den gesellschaftlichen Verhältnissen um; dabei sind viele aufrüttelnde Sequenzen nachvollziehbar, die auch anklagend verstanden werden können und viel soziale, menschliche und gesellschaftliche Tiefe zeigen. Der Betrachter wird durch die zeichnerische Wiedergabe Zeuge von oft versteckter oder offener Aktion, die durchaus von unserem Verständnis von einem menschlich-harmonischen Zusammenleben abweicht.

Claudia Knuth arbeitet in verhaltener Farbigkeit an Lebenssituationen und stellt die menschliche Gestalt in all ihren Stärken und Schwächen dar. In besonderer Weise leben die Visualisierungen von dem Mal- und Zeichenduktus und dem harmonischen Farbklängen in der Ausnutzung einer Farbrichtung durch feine Farbabstufungen und weichen Übergängen der Formen. Die Situationen, in denen ihre Menschendarstellungen agieren, sind Momentaufnahmen die aufgegriffen werden und im künstlerischen Prozeß eine Pointierung erfahren; festgehaltene Körpersprache wird erlebbar und weckt in uns Erinnerungen an erlebte Situationen positiver wie negativer Art.                    Uje Fenger