Die achtzehnte Ausstellung: Heike Grotewold

Das Einladungsbild für die Ausstellung von Heike Grotewold

Heike Grotewold · AUF EIN WORT

Ausstellungseröffnung: 01.09.2012, 11 Uhr
Ausstellungsende: 22.09.2012

Pressemitteilung:
Die GALERIE AUF, Steeler Str. 330 in Essen Huttrop eröffnet am Samstag, 01. September 2012 um 11:00 Uhr die Ausstellung Heike Grotewold · AUF EIN WORT

Ein paar einführende Worte von Uje Fenger zur Ausstellung:

AUF EIN WORT könnte man als einen Appell verstehen, aufmerksam machen bzw. ins Vertrauen ziehen, einweihen, ein Gespräch führen wollen. Auf jeden Fall ist der Beginn einer Kommunikation beschritten und es liegt an den Beteiligten, wie mit dieser Bitte umgegangen wird.

Heike Grotewold will uns vornehmlich nicht ansprechen, sie setzt keine akustischen Zeichen, wohl aber visuelle, die über die reine Wortvermittlung hinaus gehen wollen. Sinnliche Ansprache, Unterstützung der Wortbedeutung durch kalligrafisch-formale und farbliche Akzente – also eine Kommunikation mit bewusst schön gestalteten Schriftzeichen, Buchstaben, Worten, Zeilen, wobei eine Wechselwirkung von Inhalt und Form einen Spannungsbogen herstellt, der von uns individuell aufgenommen wird. Da wir aus der selben kulturellen Eingebundenheit kommen, haben wir ein weitgehend deckungsgleiches Verständnis von der Botschaft aber auch – sowohl durch die Formensprache als auch durch die Farbempfindung – unterschiedliche persönliche Betroffenheiten, Assoziationen oder Gedanken.

Schriftgestaltung ist in unserer Zeit, anders als früher, mehr und mehr in die Hände von Experten, Künstlern, Designern, Werbefachleuten oder Textern etc. gegeben. Wer von uns schreibt täglich mit Füller, Kugelschreiber, Pinsel oder Bleistift? War das handschriftliche Briefe- schreiben bis ins letzte Jahrhundert noch eine relativ breit angelegte Kommunikationsmöglichkeit, so wächst die Jugend mit SMS, Tastatur und Touchscreen auf. Das Schönschreiben ist weitgehend – selbst in der Schule – in die zweite Reihe gerückt, wenngleich auch heute noch Klassen- und Hausarbeiten leserlich geschrieben werden (sollten).

Die Tausendjährige Tradition der Ausformung der Buchstaben, von der Bilderschrift über die Keilschrift zum Alphabet und die Errungenschaften der Technik von Schreibwerkzeugen und Schreibflächen – vom Griffel oder Meißel über den Federkiel, die Metallfeder und unterschiedlichste Pinsel zu Filzschreiber und Füllfederhalter und die Schriftflächen Stein, Tafel, Tierfell, Pergament zum Papier und Textilien ist eine spannende Geschichte, die hier nur in Erinnerung gerufen werden kann. Das Schreibwerkzeug bestimmte die Formensprache der Buchstaben: was mit dem Meißel grobschlächtig herausgearbeitet wurde, konnte mit der Schreibfeder – je nach Ausgestaltung der Spitze mal leicht und zart wirken, mal im Wechselzug durch die Bandzugfeder mit unterschiedlicher Balkenstärke herausgearbeitet werden oder schnörkellos mit der tellerförmigen Redisfeder als nüchterne Textwiedergabe vorgelegt werden. Jahrhunderte lang waren diejenigen, die des Lesens und Schreibens kundig waren, durchaus im Vorteil, den sie mehr und mehr mit Einführung der Schulpflicht z.B. in Deutschland erst am Anfang des vorigen Jahrhunderts – verloren. Der Beruf des Plakat- und Schriftenmalers war begehrt, konnte aber nicht in unser Jahrhundert gerettet werden. Die technische Entwicklung – und maßgeblich der Computer, haben gerade in der Textverarbeitung das Handwerkliche verdrängt.

Um so glücklicher bin ich, dass ich hier in diesen Räumen der Ateliergalerie AUF die kalligrafischen Arbeiten von Heike Grotewold zeigen kann. Auf den ersten Blick zeigen einige Arbeiten Malerei – formale Farbverteilung auf der Fläche, Farbklänge, die unsere Sinne aktivieren. Schaut man noch einmal hin, entdeckt man Buchstaben, bildet Worte, Sätze und erschließt sich die Botschaft, die sowohl durch die farbpsychologische Empfindung als auch durch die formalen Elemente eine steigernde Wirkung erfährt. Das Geschriebene bekommt durch die gestalterisch-handwerkliche Bearbeitung eine erweiterte Bedeutung, die eine gesteigerte Empfindung herbei führt – Malerei und Schriftgestaltung ergänzen und beflügeln sich.

Kalligrafie ist sowohl in ihrer Zweckgebundenheit als auch in Ihrer künstlerischen Aussagekraft in den Arbeiten von Heike Grotewold herauslesbar und somit überlasse ich Ihnen eine spannende Reise durch die Vielschichtigkeit der ausgestellten Werke – lassen sie ein auf die sinnlich-emotionale Wirkung der malerischen Zeichensprache. Eines darf ich noch los werden: in der Vorbereitung der Ausstellung hat die Künstlerin – soweit ich weiß – immer wieder neue Ansätze gemacht, um zu jenem Ausdruck zu kommen, der heute hier gezeigt wird – das Ringen um Form, Proportion, Farbe, Format und Ausschnitt hat wochenlang andere Pflichten in Haus und Hof an die zweite Stelle treten lassen, denn nur in der inneren Konzentration, der konkreten Vorstellung und präzisen Umsetzung kann kreativ-künstlerisches zum Ausdruck gebracht werden.

Frau Grotewold steht Ihnen gern Rede und Antwort. Herzlichen Dank.

Die Galerie AUF lädt Sie und Ihre Freunde herzlich zum Besuch dieser Ausstellung ein. Öffnungszeiten der Galerie sind
Donnerstag von 16:00 bis 20:00 Uhr
Freitag von 16:00 bis 18:00 Uhr
und nach Vereinbarung

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