Die vierundsechzigste Ausstellung: Beate Gärtner AUFZEICHNUNGEN

AUFzeichnungen eines Weges, der in seiner Ganzheitlichkeit erfasst werden soll, ist die Thematik, die die Absolventin der HBK Essen-Kupferdreh, Beate Gärtner, in ihrer Examensarbeit künstlerisch umsetzt. Dabei geht es um das zeichnerische Festhalten einer Strecke durch Linien, die einmal in der Ebene, der Erfassung der zweidimensionalen Ausdehnung – so zu sagen als Draufsicht – und gleichzeitig, die Einbindung der dritten Dimension im Raum, der Höhe, genauer der Höhenlinien, als Ansicht der selben Wegführung. Wir sehen darüber hinaus die Punkte, an denen Richtungsänderungen in den drei Dimensionen festgemacht werden können und entwickeln dadurch das Raumbild der gezeichneten Strecke als visuelle Vorstellung. Der Betrachter sieht zwei Zeichenblätter mit Linien und Punkten, verbindet beide Blätter zu einem dreidimensionalen Ganzen. Ein natürlicher Prozess wird durch unser Erfahrungssehen zu einem Spaziergang aus den gezeichneten Informationen.

In der Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem, was beim Gehen an vergleichbaren Erfahrungen gemacht werden kann, wie die Bewältigung einer Strecke als Durchschreiten des Raumes bzw. der Natur oder die Anstrengung der Überwindung von Höhenunterschieden zielt zunächst auf das rein lineare Fortkommen, kann allerdings auch als individuelle Erfahrung erlebt werden, weil zwar die Wegstrecke als Linie vorgegeben ist, aber jeder von uns geringe Abweichungen nach rechts und links oder durch Schrittlänge und Gehtempo den eigenen Duktus der Linie bestimmt. Zum anderen wissen und erleben wir durch Gehen, Laufen oder Wandern um die persönlichen Bewältigungen von Distanzen und deren physischen und psychischen, mentalen und zeitlichen Besonderheiten.

Neben den Linienstrukturen auf der Fläche zeigen die Fädenkompositionen die Durchdringung des Raumes durch die Verbindung von Punkten in den drei Dimensionen; ein kurzes Video lässt uns das Voranschreiten erleben und zeigt das Bemühen, an der Ideallinie orientiert, voran zu kommen. Die Konzeption der Ausstellung zeigt das komplizierte System, welches hinter der banalen linearen Verbindung von Punkten stehen kann. Wir laden Sie herzlich zur Vernissage am Freitag, den 07. April um 18:00 Uhr ein und wünschen uns, dass Sie die Bereitschaft mitbringen, einen Weg zu gehen, der weit über das sichtbare Liniengerüst hinaus weist.

Zur Eröffnung spricht die Kunsthistorikerin Judith Brinkmann; am Samstag, den 08. April ist die Künstlerin zusätzlich von 16-18 Uhr zum persönlichen Gespräch in der Galerie. In den Schulferien (10.-21.04.2017) ist die Galerie geschlossen.

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